Junge Triebe im Lustgarten by Tilman Janus

Junge Triebe im Lustgarten by Tilman Janus

Autor:Tilman Janus
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Bruno Gmünder
veröffentlicht: 2016-11-15T00:00:00+00:00


Hartriegel, Honigstrauch und Hundszunge

Die ersten beiden Rabatten neben dem Hauptweg leuchteten nun schon im Schmuck bunter Sommerblumen. Ich hatte Benno bezirzt, dass er extra wegen der Pflanzen nach Oberammergau fahren sollte, und hatte auch am Samstag schwer gearbeitet, weil die Ammerspitzer schnell etwas zu sehen bekommen sollten. Rote Salvien, gelbe Löwenmäulchen und blauer Ehrenpreis wechselten ab mit weißen Glockenblumen. Für die weiteren Beete plante ich wieder andere Farbkombinationen. Es machte mir richtig Spaß.

Am Samstagabend holte mich Giovanni in seine Wohnung. Diesmal behandelte er mich nicht wie einen dummen Jungen, sondern als richtigen Gast. Er bewirtete mich mit Wein aus dem Schlosskeller und verbrachte mehrere Stunden mit mir. Um ihn nicht zu verärgern, fragte ich nichts über Ammerspitz. Wir unterhielten uns über berühmte Gärten und meine Ausbildung. Er erzählte mir von Lugano. Es musste wunderschön dort sein. Später mal wollte er dahin zurück, sagte er.

Er fickte mich zweimal an diesem Abend. Es war supergeil und heiß. Ich genoss seinen saftigen Kolben in meinem Kanal tief und innig. Ich wollte gar nicht mehr weg von ihm. Doch er warf mich nachts hinaus, ich musste durch den dunklen Schlossgarten in meine einsame, schäbige Gärtnerwohnung zurück. War ich nun sauer auf ihn? Eigentlich nicht. Schließlich war ich nicht sein fester Freund. Hatte ich mich doch in ihn verliebt? Kaum. Wenn er mich die ganze Nacht in seinem Luxusbett hätte schlafen lassen, mich am Morgen geküsst und noch mal heiß aufgebohrt hätte – dann vielleicht.

Zur Ablenkung von diesen Gedanken wollte ich sogar am Sonntag an den Rabatten weiterschuften, doch daraus wurde nichts. Jed, Hans und Milan fragten mich nämlich beim Frühstück, ob ich mit ihnen einen Ausflug in die Berge machen wollte. Klar wollte ich.

Wir packten eine üppige Brotzeit, die Wasti uns mit breitem Grinsen überreicht hatte, auf unsere Räder und brachen auf.

Während Hans und Milan so wie ich in Jeans gingen, trug Jed eine knalleng sitzende Kniehose im bayerischen Stil. Sie bestand aus schwarzem, weichem Leder, hatte die typischen Hosenträger, die hinten gekreuzt eingeknöpft wurden, und einen bestickten Hosenlatz zum Aufknöpfen, hinter dem sich eine verlockende Beule verbarg. Kniestrümpfe hatte Jed nicht an. Seine Waden waren unbehaart und sahen sehr formschön aus.

'Wohin wollt ihr?', erkundigte ich mich, während wir über die Brücke radelten.

Der dunkelhaarige Jed hob den Arm und wedelte unbestimmt herum.

'Auf die andere Seite vom Talkessel. Da warst du bestimmt noch nicht, oder?'

'Nein, ich hatte zu tun, erst mal Ammerspitz kennenzulernen.'

Sie lachten.

'Hast du schon alle durch?', fragte Hans und grinste.

'Außer uns!', ergänzte Milan und warf sein etwas längeres, dunkelblondes Haar zurück.

Ich grinste auch.

'Nein, alle noch nicht. Ich bin ja noch nicht mal eine Woche hier!'

'Lass dich bloß nicht von Luzius ficken!', meinte Jed. 'Der ist so schrecklich besitzergreifend.'

'Hab ich auch schon gehört.'

'Bestimmt von Sascha!'

Ich nickte.

'Und Darian? Ist der auch schwul?' Einfach mal ein Versuch …

In dem Moment mussten wir absteigen, um die Passhöhe zu erklimmen.

Erst nach ein paar Minuten fragte Jed zurück: 'Darian?'

Ich war schrecklich gespannt. Da schaute mich Milan aus seinen schönen, blauen Augen an.

'Es könnte schon sein, dass Darian schwul ist', sagte er.



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